Um abzuschätzen, wieviel Nektar die Bienen an einem Standort Nektar eingetragen haben, verwenden erfahrene Imker eine sogenannte Stockwaage. Das Prinzip ist einfach: Einer der Kästen mit  Bienen (die Bienenbeute des sog. Wägevolkes) wird auf eine mechanische Personenwaage mit einem flachen Gestell gestellt. Unten ist ein Spiegel, sodass man das Gewicht ablesen kann. Einmal pro Tag geht man dann vorbei, liest das Gewicht ab und notiert den Wert.

Nur, was macht man, wenn der Bienenstand mehrere Kilometer entfernt steht und man nicht jeden Tag nachsehen kann?

Die Lösung liegt in einer elektronischen Waage, die zum Beispiel jede Stunde ihre Werte an eine Internetseite überträgt. Inzwischen gibt es so etwas kommerziell (um die 1000 Euro), nur rechnet sich das für einen Hobbyimker mit weniger als 2000 Euro Umsatz gar nicht. Es mussten also Alternativen her. Im Internet fand sich unter www.imker-stockwaage.de ein Selbstbauprojekt, der Autor gab Kosten unter 250 Euro an. Das klang schon besser. Die Zeit nicht gerechnet, hielten Sich die Kosten noch deutlich unter dieser Marke. Die Waage wurde dann im Juni fertiggestellt und am Standort plaziert.

Die Waage überträgt das von einer Wägezelle ermittelte Gewicht per Mobilfunk zu einer selbst einzurichtenden Internetseite. Was zunächst teuer klingt, verursacht keinerlei laufende Kosten: Die SIM-Karte ist 100% werbefinanziert. Und für die eingeblendete Werbung interessiert sich so eine Waage eben nicht ;-). Nebenbei wurden der Waage noch ein Temperatur/Feuchtesensor und ein Regensensor spendiert.

Prototyp der Waage nach einem Jahr Betrieb und Umbau mit Batteriefach. Die Waage verfügt über keine außen sichtbare Anzeige. Alle Daten werden über das Internet bereitgestellt. Laufende Kosten entstehen nicht, da eine kostenlose SIM-Karte zum Einsatz kommt.

Nun ging es noch darum, eine geeignete Internetseite zu finden. Da bot es sich an, dies gleich auf den Vereinsseiten zu tun, denn solche Informationen sind auch für andere Imker interessant. Die beim Projekt beiliegende Beispielsoftware ließ sich allerdings nicht in das verwendete Content-Management-System integrieren, daher musste eine andere Lösung gefunden werden. Zur Auswahl kam die Erweiterung "plotalot". Die fand sich im Netz in einer freien Variante, die kommerzielle Version kann aber einiges mehr. Das kostete zwar 8 britische Pfund, aber das gab das selbst gesetzte Budget noch her.

Das Ergebnis ist nun hier zu sehen. 
(ACHTUNG: Auf Grund eines Umbaues der Mechanik und der Elektronik derzeit nicht in Betrieb)

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Betriebserfahrungen und Optimierungen der Waage

Probebetrieb

Update 28.8.: Momentan scheint die Waage nicht mehr zu senden, vermutlich ist der Akku leer.

Update 04.9.: Heute konnte ich den Akku wechseln, da die Bienen den Futtertrog fast leergefressen hatten, ließ sich die Beute auch so kippen, dass die Waage entnommen werden konnte. Im Gegensatz zur ersten Ladung habe ich den Akku diesmal nicht nur provisorisch, sondern richtig voll geladen. Die Daten trudeln nun wieder ein. Da die Daten in einer Datenbank liegen, kann man sie auch anders darstellen. Hier die Momentanwerte von oben umgerechnet, die Luftfeuchte als Mittelwert, die Temperaturen als Min/Max-Linie und die Regenmenge summiert.

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Update 15.09.: Heute habe ich die Zeiten in den Diagrammen von UTC auf lokale Zeit umgestellt. Außerdem habe ich eine Ansicht mit den Telemetriewerten ergänzt. Hierdurch kann man nun gut abschätzen, wann der Akku leer ist. Bei 11,6 Volt Akkuspannung hört die Waage auf, zu senden, um den Akku nicht zu zerstören.

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Optimierung

Update 02.11.2016.: Im Anschluss an den Wildbienenvortrag heute haben wir uns den Prototyp der Waage gemeinsam angeschaut. Wir werden ihn konstruktiv noch ein wenig verbessern. So soll der Akku auch ohne Abnehmen des Volkes wechselbar werden. Neben der Waage für den Lehrbienenstand haben zwei bis drei Imkerfreunde Interesse angemeldet und wollen mit bauen. Mal sehen was wir so über den Winter schaffen.

Update 07.01.2017: Die vier Platinen für unser Vereinsprojekt liegen inzwischen bei mir im Arbeitszimmer. Ich habe die Waage seit gestern wieder testweise im Keller im Betrieb, damit die SIM-Karte nicht ungültig wird. In den nächsten Tagen hoffe ich, etwas Zeit für die Planung weiterer Waagen zu haben. Im Moment fehlt mir noch eine gute Idee, wie man den Akku von außen zugänglich machen kann, ohne das Volk von der Waage nehmen zu müssen.

Update 09.08.2017; Die Waage ist aktuell noch außer Betrieb, da ich ein Batteriefach mechanisch einbauen will.

Umbau

Update 13.08.2017: Heute bin ich endlich dazu gekommen, das Batteriefach zu realisieren. Es hat mich schon immer gestört, dass ich die Beute abnehmen musste und die Waage aufschrauben, um den Akku wechseln zu können. Damit es einfacher wird gibt es nun eine Schublade, auf der sich die Elektronik und die Batterie befinden. Das ganze wird mit einem Briefkastenschloss gesichert und ist nach hinten herausziehbar. Ich habe einige Bilder davon gemacht (die obere Platte der Waage ist demontiert, man sieht das Innenleben).

Wägezelle auf der Grundplatte zwischen den Alu-Platten montiert
Von der Seite gesehen sieht das dann so aus, man sieht sehr schön den Spalt, den sich die Wägezelle bewegen kann. Die versetzte Anordnung der Montageplatten entspricht nicht den Empfehlungen des Wägezellenherstellers, dieser hat für den Überlastfall noch einen mechanischen Endanschlag in der Applikationsempfehlung aufgenommen. Es geht aber auch so, da eine Beute nicht mehr als 300 kg wiegen sollte ;-)

Update 15.08.2017: Heute habe ich den mechanischen Teil fertig modifiziert. Der Akku und die gesamte Elektronik befinden sich jetzt auf einer Schublade. Dadurch kann man den Akku von hinten wechseln ohne die Beute abnehmen zu müssen. Außerdem sollen an die Rückseite noch Anschlussbuchsen für eine 2. Wägeplattform und den Außensensor. Leider habe ich beim Zusammenbau der Elektronik  die falsche Klemme für die Spannungsversorgung benutzt (wer Lesen kann ist klar im Vorteil ;-) 12 Volt sind eben nicht 5 Volt), es hat ein wenig nach Strom gerochen und jetzt muss ich auf die Fehlersuche gehen. Das ermöglicht es mir, den mechanischen Teil zu unserem Imkerfreund Köchert in die Tischlerei zu bringen, der hieraus vielleicht einen professionellen Nachbau zaubern kann ;-)

Schublade mit Akku (rechts) und Elektronik, unten ein Briefkastenschlüssel für die Schublade, oben der Schlüsselschalter.

Update 18.08.2017: Die Mechanik ist in der Tischlerei zum Nachbau. Und die Elektronik scheint wieder zu spielen. Anscheinend haben die 12V nur einen Chip (den ATMEGA) gekillt. Nach dessen Tausch scheint alles wieder zu funktionieren :-) Damit kann ich mich an den Nachbau der weiteren Elektronikbausteine machen.

Wer mit bauen möchte, kann sich an mich wenden: Jens Wagner, je_wa [ät] gmx.de , die wesentlichsten Kinderkrankheiten sind jetzt erst einmal bekannt.